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Nazi-Trio ermordet Ausländer – und wer gilt als Opfer? Deutschland und seine Staatssicherheit

09.02.2012 19:00
Ort: 
Bürgerhaus Weserterrassen, Osterdeich 70 b, Bremen

Referent: Freerk Huisken, Universität Bremen

Da ziehen drei Neonazis mehr als zehn Jahre lang durch Deutschland und ermorden vom Untergrund aus neun Ausländer und eine Polizistin. Parteien und Medien geben sich völlig überrascht davon. An die ganz große Glocke wurden diese Mordfälle gehängt, und zwar von der Politik und der Öffentlichkeit. Bis heute macht das Thema „brauner Terror“ vom November Schlagzeilen. Das ist einerseits merkwürdig, denn Hass von Neonazis auf Ausländer hat wirklich nicht zum ersten Mal zu Toten und Verletzten führt. Die Antonio-Amadeo-Stiftung hat seit 1990 bereits 182 Naziopfer gezählt. Doch nie waren Entsetzen und Schrecken so groß wie heute.
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Andererseits ist das gar nicht so merkwürdig: Denn die nationale Aufregung gilt nicht in erster Linie den Opfern des ausländerfeindlichen Hasses. So druckste Merkel: „Die Mordserie ist eine Schande, das ist beschämend für Deutschland.“ Und die einstimmig verabschiedete – ein Novum! - Bundestagsentschließung verdeutlicht: „Wir sind zutiefst beschämt, dass nach den ungeheuren Verbrechen des NS-Regimes rechtsextremistische Ideologie in unserem Lande eine blutige Spur unvorstellbarer Mordtaten hervorbringt!“ Gelitten hat so gesehen Deutschlands Ansehen! Erstes Opfer ist Deutschland! Denn so etwas gehört nicht – mehr - zu Deutschland, behauptet die Riege deutscher Politiker.

Wg. Wulff. Was BILD & SPIEGEL dem Volk gönnen: Ein würdiges Staatsoberhaupt

Das Amt Bundespräsident

Moderne Staaten halten zusätzlich zu dem Personal, das die Staatsgewalt exekutiert, ein Sonder-Angebot bereit: Eine Figur, die die Ehrbarkeit und Menschlichkeit der Staatsmacht, die Einheit der Bürger mit ihrem politischen Gemeinwesen, den Glanz der Herrschaft und zugleich ihre Volksverbundenheit repräsentiert. Für diese Figur, die als Queen, spanischer König oder eben deutscher Präsident kein Politiker der Legislative und Exekutive ist, soll ein äußerst unschuldig gemeinter, weil „nur“ repräsentativer Auftrag gelten, der sie aus dem „schmutzigen Geschäft“ der unmittelbaren Anordnung von Diensten heraushebt: In einem vom Alltag der Staatsmacht betont getrennten Personal sollen Größe und Ehre der Nation Anerkennung erfahren. Solches halten viele Verfassungen für zweckmäßig und das hat seinen guten Grund: Die Ausübung der Herrschaft geht einfach nicht ohne Gegensätze zwischen Regierenden und Regierten ab. Die Spitze des Staates als gesonderte Repräsentation seiner Einheit mit dem Volk einzurichten, ist darauf berechnet, die unübersehbaren Gegensätze als dem Ganzen dienliche, nur der Einheit wegen fällige Verlaufsformen im Miteinander von Volk und Staat hinzustellen. Dazu braucht es eine Figur, die für keine Rentenreform und Tabaksteuer verantwortlich ist, auch nicht für Arbeitsplätze und Armut, erst recht für keine Aufrüstung und keinen Krieg – die lediglich Schönredner der im Prinzip achtbaren Anliegen der Politik ist, personifiziertes Aushängeschild der natürlichen Identität des nationalen Kollektivs, darin Verkörperung der menschlichen Güte der Herrschaft, die sich via Kutschfahrten, Kondolenzbesuchen in Hochwassergebieten, Kriegslazaretten oder Waisenhäusern, Sportlerehrungen und Bürgerfesten „zum Anfassen“, also wie von du zu du gibt. Kurz: Eine Figur, bei der sich jedem Bürger der Gedanke aufdrängt, dass, „wenn nur alle Politiker so wären, im Lande alles zum Besten stände“. Diese Figur ist in Deutschland, ganz ohne blaues Blut, der Bundespräsident.

GegenStandpunkt 4-11 im Buchhandel

Fortschritte in der Krisenkonkurrenz der Weltwirtschaftsmächte

Die fortlaufenden Euro-Rettungsmaßnahmen geraten zu lauter Eingeständnissen: Längst ist die Finanzmacht nicht nur dieses oder jenes Euro-Landes, sondern der ökonomisch potentesten Euro-Staaten, die als Garanten gefragt sind, fragwürdig. Die Abwendung der Pleite Griechenlands durch neue Kreditgarantien überfordert das, was die Euro-Staaten, die noch Kredit haben, zu finanzieren bereit sind; Banken sollen Staatsschulden abschreiben... Der Rettungsfonds soll mit institutionellen Kreditgebern ‚gehebelt‘ werden und reicht doch erklärtermaßen nicht, um die nächsten Problemfälle – Spanien, Italien – ihre Kreditwürdigkeit zu sichern. Deutschland und Frankreich droht die Abstufung durch die Rating-Agenturen... Die Krisenlage hat sich in mehreren Ländern zur politischen Krise ausgewachsen, Regierungen werden abgewählt oder durch nationale Notregierungen abgelöst... Das alles, weil – nicht nur – Europas Staaten um die ökonomischen Grundlagen ihrer Macht ringen: den Zuspruch des Finanzkapitals und ein kapitalistisches Wachstum, das dem staatlich gestifteten Geld und seinen Schulden die Qualität eines gefragten Geschäftsmittels sichert...

Die Macher Europas, Deutschland voran, begreifen diese Krisenlage als Herausforderung und als Chance: Mit verbindlichen Regeln nationalen Haushaltens, Eingriffen in die Souveränität, die die staatlichen Mitglieder der Euro-Zone auf erfolgreiches kapitalistisches Wirtschaften verpflichten und auf vom erfolgreichsten Euro-Land Deutschland vorgegebenen Maßstäben nationalen Wirtschaftens festlegen sollen, soll das Ge­meinschaftsgeld die Rolle eines Weltgelds erobern, das dem Dollar Konkurrenz macht. Deutschland will damit zugleich die Stellung einer unbestrittenen europäisch politischen und globalen ökonomischen Führungsmacht festschreiben.

Die Krise als einmalige Chance in der Konkurrenz der Nationen um ihre nationalen Gelder – das ist der Grund und Zweck, zu dem sich Deutschlands Politiker bekennen und den sie mit aller Macht bei der ‚Rettung des Euro‘ verfolgen: Es geht darum, „jetzt den Grundstein für die stärkste Währung der Welt zu legen“. (Söder)

Wie das Volk geistig die Krise bewältigen soll,
für die es praktisch in Haft genommen wird

Die Völker sind dabei nur in einer Hinsicht gefragt. Sie sind die Manövriermasse dieser Krisenkonkurrenz und der für sie verordneten ‚Sparprogramme‘. In diesen Tagen lernt die Menschheit die Verarmung nicht nur als eingetretene kennen, sie kommt auf Ansage und als Anforderung der Sanierung der nationalen Bilanzen daher. Damit die Zumutungen auch geistig verkraftet werden, agitiert die Öffentlichkeit das Volk: für die Unausweichlichkeit der nationale beschlossenen Härten wegen ‚unseres Euro‘; gegen die Schuldigen vor allem im Ausland, die ihren Völkern angeblich zu viel gegönnt und über ihre Verhältnisse gelebt, statt ihr Land ordentlich als Geschäftsquelle bewirtschaftet und ihr Volk als billige Arbeitskraft mobilisiert haben... Kurz: Das Volk erhält geistige Orientierung – im Geist eines Nationalismus, der die ökonomische Durchsetzung der eigenen Nation als Sachzwang und Opfer lohnende Aufgabe versteht.

Zur Einstimmung ins Studium: Jobs der Elite

Was soll ich werden? Für die meisten Studierenden keine Frage: Was Besseres !
Und was machen die besseren Berufe? Wofür studieren die, die studieren?

Ausführlicheres zu den besseren Berufen findet sich hier:

http://versust.blogsport.de/dies-archiv/

Rechtsanwalt
Immer mehr Anwälte dienen der allgegenwärtigen Gewalt, der öffentlichen: Ob geschäftlich oder privat, einvernehmlich oder im Streit, an jeder Handlung interessiert sie nur, inwieweit dabei geltendem Recht ent- oder widersprochen wird – um ihrer Klientel gegen Honorar und mit der staatlichen Gewalt im Rücken zur Durchsetzung zu verhelfen. So machen Rechtsanwälte aus Gewalt ihr Geschäft. Ehrenwerter Stand, studierte Schreibtischtäter – oder beides?
Lehrer
Er bereitet den „Stoff“ auf, versucht ihn „rüberzubringen“, motiviert, wo’s geht, und diszipliniert, wenn’s sein muss. Und im Zuge dieser Unterrichtung seiner Schüler bleibt ein Großteil auf der Strecke: Schlechte Noten führen nicht zur Nachschulung, sondern zum Ausschluss von „höherer Bildung“ und folglich auch von „besseren Berufen“.
Saublöder Zufall, dumme Schüler – oder Methode?
Manager
Er trägt Verantwortung, fällt Entscheidungen, ist ein „Macher“: Für den Erfolg „seines“ Unternehmens mobilisiert und optimiert er unentwegt – und nur „Effektivitätskriterien“ verpflichtet – sämtliche „Produktionsfaktoren“, wobei der „Mitarbeiter im Mittelpunkt steht“. So ähnlich, wie seine feindlichen Brüder und Schwestern von der Konkurrenz. Das belebt das Geschäft und sorgt für Verlierer, weit über die eigenen Reihen hinaus – nicht nur in Krisenzeiten...

Arbeitskreis zur Kritik der Moral: Lauter Werte - nichts wert

09.11.2011 19:00
Ort: 
Universität Bremen, SFG 2080

Start: 9.11. 2011, 19.00 Uhr (Weitere Termine: 23.11., 7.12., 21.12., 18.1.,1.2.)

Referent: Freerk Huisken

Moral gilt als hohes Gut. Es soll den Menschen adeln - im Unterschied zum Tier. Zugleich wird allenthalben das Fehlen von
Moral beklagt. Ungerecht gehe es auf der Welt zu, egoistisch seien die Menschen, es fehle ihnen an Bescheidenheit,
Höflichkeit, Toleranz usw..
Stimmt das? Fehlt es an Moral oder verhält es sich nicht vielmehr umgekehrt? Gibt es nicht vielleicht zuviel von ihr?
Und überhaupt: Wozu braucht es Moral? Kommt sie nicht ohnehin nur den Interessen in die Quere?
All das soll geklärt werden; insbesondere das Verhältnis von Interesse, Recht, Moral, Gewissen und - vielleicht noch -
Religion.

Lesetip:
Die Moral auf dem Vormarsch - die Patrioten machen mobil, aus: GegenStandpunkt 1-95

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